Geschichte beginnt meistens mit einem Schlüsselmoment, dessen Bedeutung man erst im Rückblick versteht. In der Geschichte des Hip Hop ist dieser Moment eine Erkenntnis. DJ Kool Herc, ein damals bekannter Funk- und Soul-DJ aus der Bronx, wollte, um die Party mehr zum Kochen zu bringen, die Instrumental-Parts bekannter Funk-Platten länger spielen als sie während eines Songs liefen. Zu schnell setzte der Gesang ein. Er fand einen Weg, das zu verhindern. Herc nahm zweimal die gleiche Platte und mischte immer wieder deren Drum-Breaks ineinander. Währenddessen sprach er in ein Mikrofon oder beauftragte jemanden, es zu tun, um die Tänzer anzuheizen. Diese Art des Plattenauflegens wurde in der Bronx und später auch in anderen Boroughs New Yorks stilprägend. Eine Szene entstand, Crews konkurrierten um die besten Partys, Hip Hop war da. Von diesen Anfängen erzählt die wundervoll gezeichnete und beeindruckend detaillierte Graphic Novel Hip Hop Family Tree von Ed Piskor. Sie stellt im ersten Band (Mitte der 70er bis 1981) alle für die Entwicklung des Hip Hop wichtigen Personen und deren Geschichte vor (ein paar von ihnen sehen Sie rechts), sie erklärt, welchen Einfluss Hip Hop auf Sprache, Gesten und Alltag in den Ghettos hatte, sie zeigt, wie sich die Szene durch die allmähliche Kommerzialisierung veränderte und wie aus Geschichten Mythen und aus Songs unvergessliche Hits wurden. Hip Hop ist heute wahrscheinlich das erfolgreichste Genre der Popmusik. Auch durch Graffiti und Breakdance, beide Teil des Hip-Hop-Geistes, hatte er enormen Einfluss auf die Kultur der Gegenwart. Man vergisst leicht, dass er aus Rebellion und Außenseitertum entstand, Hip Hop Family Tree erinnert daran.