The Bird And the Bee „A Christmas Compromise“
Wir befinden uns nicht nur in der Adventszeit, sondern auch in der Woche des jüdischen Lichtfestes, Chanukka. Das könnte in christlich-jüdischen Paarbeziehungen zu Konflikten führen. Aber es gibt – wie dieses Lied erklärt – Lösungen. „But never mind the Jesus part would you let Santa into your heart“, schlägt die Sängerin des Duos The Bird And The Bee, Inara George, ihrem Liebsten vor. Und überhaupt: „You have to admit there’s some pretty good songs.“ Also los!

Bob Dylan „Must Be Santa“
Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung des Vorschlags von The Bird And The Bee: Auch Bob Dylan ist jüdischer Herkunft und scheint sich arrangiert zu haben mit Santa, wie man im ausgelassenen Polka „Must Be Santa“ hören kann – der Coca-Cola-farbene Rentierschlitten fahrende rauschebärtige Mann ist ja auch ein amerikanischer Mythos und kein christlicher. Nicht verpassen sollte man das Video dazu, in dem Dylan eine blonde Perücke unter der Weihnachtsmannmütze trägt.

Erdmöbel „Ding Ding Dong“
Machen wir uns nichts vor, eigentlich ist Weihnachten vor allem eins: Stress. Niemand hat das besser in Worte und Töne gefasst als die wunderbare Kölner Band Erdmöbel. „Ich hau egal, wen ich treffe, Ehefrau, Kätzchen, Neffe“, singt Markus Berges genervt, „genau, Mutter, steh ihm Stau Mutter“. Und „Herodes muss auf’s Klo für 70 Cent“ und „Jesus weint schon“. Mannmannmannn!

King Stitt „Christmas Tree“
Winston Sparkes alias King Stitt aus Kingston, Jamaica, weiß, wie nach all der Aufregung wieder runterkommt. Der Mann, der sich aufgrund eines entstellten Gesichts auch „The Ugly One“ nannte, toastet über einen entspannten Reggae-Track: „Drink wine, feel fine, it’s Christmastime – wow!“ Dieser Aufforderung folgt man doch gern – nice, nice, nice!

Joni Mitchell „River“
Weihnachtszeit ist auch Heimwehzeit. Die Kanadierin Joni Mitchell lebte Anfang der Siebziger in Kalifornien, wo sie den Winter nur dem Namen nach kennen. In „River“ singt sie wie sie der Weihnachtsschmuck im Grünen deprimiert – zumal ihr Freund sie gerade verlassen hat. Sie sehnt sich zurück in Schnee und Eis der Weihnachten ihrer Kindheit: „I wish I had a river so long/ I would teach my feet to fly/ Oh, I wish I had a river I could skate away on“.

Tom Waits „Christmas Card Form A Hooker In Minneapolis“
Eine Postkarte aus dem frostigen Minnesota, die die Weihnachtsgeschichte mal anders erzählt. Eine Hure aus Minneapolis schreibt an einen gewissen Charlie. Sie ist ungewollt schwanger geworden, und es war wohl nicht der heilige Geist. Doch das ist noch das kleinste Problem: Jemand hat den Plattenspieler geklaut, und vor dem Valentinstag kommt sie nicht raus aus dem Knast.

Loudon Wainwright III „I’ll Be Killing You This Christmas“
Dass es in der Familie des amerikanischen Songwriters Loudon Wainwright III nicht immer harmonisch zuging, konnte man schon auf vielen seiner Songs (etwa: „Hitting You“, „Mr. Guilty“, „Whatever Happened To Us“) nachhören, auch seine Kinder Martha und Rufus können ein oder zwei Lieder davon singen („Bloody Motherfucking Asshole“ heißt eins). Aber in dem in diesem Jahr erschienenen „I’ll Be Killing You This Christmas“ scheint die Lage doch etwas zu eskalieren. Sollte uns ein abschreckendes Beispiel sein.

Merle Haggard „If We Make It Through December“
Bleiben wir bei den Tragödien. Wenn einem in der puderzuckrigen Weihnachtszeit etwas Übles wiederfährt, ist das immer besonders bitter – so wie die Orangenfüllung im Lebkuchen. Merle Haggard singt aus der Sicht eines einfachen Mannes, der kurz vor den Feiertagen seinen Job verliert. „Now I don’t mean to hate December/ It’s meant to be the happy time of year/ And my little girl don’t understand/ Why daddy can’t afford no Christmas gift.“ Es ist nie der Blues, der einen runterzieht, es ist immer ein Country-Song.

John Cale „A Child’s Christmas In Wales“
Der Waliser John Cale erzählt seine eigene Weihnachtsgeschichte, die allerdings im Gegensatz zu den nostalgischen Erinnerungen des Dichters Dylan Thomas gleichen Titels in Aufbruch und Revolution endet: „Take down the flags of ownership/ The walls are falling down.“ Für einen sentimentalen Knochen hat Cale wohl noch niemand gehalten. Für einen Romantiker schon.

Paul McCartney & Wings „Wonderful Christmastime“
Selbst wenn ich dieses Lied im Hochsommer höre, kriege ich Appetit auf Lebkuchen und heiße Schokolade und will mich frisch geduscht im rot-weiß-gestreiften Bademantel vor den Fernseher setzen und „Der kleine Lord“ schauen. Marcel Proust weiß, wovon ich rede.