Es war der Eierpunschgeruch, von dem sie wach geworden war, ohne dass sie je Eierpunsch getrunken hatte. Sie verachtete alles mit Tieren, alles mit Alkohol, alles mit Männern. In dieser Reihenfolge, und nun schlug sie die Augen auf und sah eine dunkle, eingefallene Silhouette auf der Bettkante sitzen, die halb Tier, halb Mann, halb Alkohol zu sein schien.
Sie machte Licht.
Ein dickleibiger, alter Mann saß dort, dem der jahrelange Alkoholabusus, das Gesicht mit falscher Fröhlichkeit überzogen
hatte.
»Hohoho«, sagte dieser matt.
»Was wollen sie«, schrie Anke und tastete mit der freien Hand nach der Bastelschere, die sie immer, immer auf dem Nachttisch liegen hatte.
»Du glaubst nicht an mich«, sagte der Mann und zeigte nach draußen, wo ein weiterer rotbemantelter Mann den Balkon enterte und in Ankes Schlafzimmer wankte.
»Hohoho«, sagte auch dieser und roch wie der andere nach Alkohol und guter Laune.
»Sie sind zwei verkleidete Alkoholiker, was gibt es da groß zu glauben?!«
»Falsch. Völlig falsch. Wir sind der Weihnachtmann. Und er auch«, er zeigte auf einen weiteren Weihnachtsmann, der gerade die Balustrade überwand.
»Hohoho«, sagte dieser und betrat das Schlafzimmer, wo er sich mit dem Daumen den Hoden zurecht schob, bevor er den anderen auf den Rücken schlug.
»Haut ab«, sagte sie.
Doch die drei gingen nicht, und Anke löschte resigniert das Licht und versuchte zu schlafen.
Die drei Weihnachtsmänner lagen neben ihr und gaben sich Mühe, reglos zu sein. Dumpf drang Atem aus ihnen, der nach Elch und Rentier roch.
Anke träumte schlecht in dieser Nacht. Immer wieder schleppten sich in ihrem Traum übergewichtige Männer mit Säcken durch Winterlandschaften und zerstörten die Behaglichkeit.
Am Morgen waren die drei noch immer da, und der Anführer sagte, sie würde ihr nun so lange folgen, bis sie an sie glaube.
Anke war Maklerin, und bei den ersten Terminen wussten sie nichts weiter zu sagen, außer dass das Ganze eine Idee des Hauptbüros sei, drei Weihnachtsmänner, die gemeinsam mit ihr die Räume abschritten und etwas von Ausbaupotential und Unterschubfabrikation erzählten. Manchmal ein Hohoho einstreuten. Etwas tanzten.
Während der Autofahrt saßen sie auf der Rückbank. Kinder blieben stehen und winkten. An den Ampeln kamen manchmal Senioren ans Fenster und sagten Gedichte auf, oder erklärten, dass sie unartig gewesen wären, während sie an ihrer hautfarbenen Unterwäsche nestelten. Auch wenn es seltsam war, so musste Anke doch zugeben, dass sie noch nie so viele lachende Menschen gesehen hatte wie an diesem Morgen.
Am Abend gingen die vier tanzen, später heiratete sie alle, und Anke überdachte ihr Lebensmodell, und dass sie sich da vielleicht in etwas verrannt hatte. Basteln, immer nur basteln, das konnte es ja nun auch nicht sein. Und nun trank auch sie, nicht nur Weihnachten, auch sonst so, und wurde dicker und ließ sich sogar einen Bart wachsen. Einen richtigen Bart. Was sagst du nun.