Metrolit

»Ein Stück von Karlheinz steckt auch in Euch.«

Billy Hutter

Karlheinz

Roman
14 × 21,5 cm
Gebunden mit Schutzumschlag
224 Seiten
Inklusive 16-seitigem Bildteil

ISBN 978-3-8493-0106-4

August 2015

25,00 €

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Inhalt

Ende der 1990er Jahre entdeckt Billy Hutter bei einer Haushaltsauflösung in Ludwigshafen den Nachlass von Karlheinz N., der kurz zuvor mit Mitte sechzig auf ungeklärte Weise im Rhein ertrank. Die Wohnung ist bis unter die Decke mit Gegenständen und unendlich vielen Papierstapeln vollgestellt, wobei alles mit größter Sorgfalt geordnet scheint. Und statt alles leer zu räumen, an Möbeln und Gegenständen das, was zu Geld zu machen ist, zu verwerten, und den Rest der Müllverbrennungsanlage zu übereignen, beginnt Hutter, sich mit dem Nachlass dieses Menschen zu beschäftigen.

Denn Karlheinz, Sohn eines Chemikers bei der BASF, hat sein Leben akribisch dokumentiert: seine Schulzeit, die Bombardierung seiner Heimatstadt, seine Studienfachwahl nach dem Abitur. Die sonntäglichen Ausflüge mit den Eltern in die Pfalz, zu deren Zweck man eigens ein Auto kaufte. Jede Anschaffung, vom Hosenknopf bis zur Hotelrechnung, wird aufgelistet, auch die gelegentlichen Besuche bei Prostituierten. Aus Kinderzeichnungen, Schulaufsätzen und unzähligen Tagebüchern lassen sich die prototypischen Zutaten eines Spießerlebens ablesen, das – bei aller Besonderheit – exemplarisch die westdeutsche Nachkriegszeit und die Jahre des Wirtschaftswunders und der 1960er und 1970er Jahre dokumentiert.

Und wie immer, wenn man sich mit der Geschichte jener Jahre auseinandersetzt, wird neben Banalem und unfreiwillig Komischem auch das Grauen sichtbar. Und so führt Hutters Zeitreise nicht nur in den nahen Pfälzer Wald oder in die Alpen, sondern bis nach Ravensbrück und nach Auschwitz.

Autor

Billy Hutter wurde 1958 in Ludwigshafen/Rhein geboren. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Haushaltsauflösungen und der Restauration alter Möbel. Daneben arbeitet er an Performanceprojekten und als Autor. In Ludwigshafen ist er Mitbetreiber eines sehr seltsamen, privaten Heimatmuseums. Karlheinz ist sein erster Roman. In diesem Text rekonstruiert er aus den Resten eines Nachlasses (Gegenstände, Fotografien, Dokumente, private Aufzeichnungen) das Leben eines Unbekannten.

Pressestimmen

Buchtipp [Video]
Das Erste, moma

»Bei einer seiner Entrümpelungen stieß [Billy Hutter] Anfang der 1990er Jahre auf den Nachlass von ‎Karlheinz‬ Naksch; ein unübersichtliches Sammelsurium aus Notizen, Postkarten, Fotografien, Dokumenten. Im Grunde nichts, womit man auf den ersten Blick etwas anfangen könnte.
Hutter hat daraus etwas nahezu Unglaubliches gemacht: den Roman […] einer Epoche, das Porträt einer Stadt.«
ZEIT online
__
»Ein außergewöhnliches Buch. [ … ] Was Billy Hutter mit seinem Buch “Karlheinz” gelingt, ist beachtlich. Obwohl er in den privaten Hinterlassenschaften einer realen Person wühlt und den Leser mit auf diesen Raubzug durch die Intimsphäre eines Fremden nimmt, verflüchtigt sich das leichte Unwohlsein schon nach wenigen Seiten. Hier geschieht keine Leichenfledderei, vielmehr ist der Roman das Destillat einer Generation.«
Spiegel Online

»Karlheinz ist die Psychoanalyse eines Nachlasses.«
KulturSpiegel

»Ein lesenswertes Buch über das Wesen des Entrümpelns im Allgemeinen und Karlheinz im Speziellen.«
Süddeutsche Zeitung

»Der eine wird zum Kanzler, der andere wird zu Karlheinz«
ARD MoMa

»So sorgfältig wie amüsant […] Eine riskante, aber geglückte Befreiung einer Seele, die schon aus dem Weg in die Hölle des Vergessenwerdens war.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Ein wunderbares Buch«
Berliner Zeitung

»Hutters Buch fasst sie brillant, jene Atmosphäre des permanent Unfertigen, in der hinter der Fassade immer auch die Auflösung droht.«
Rheinpfalz am Sonntag

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