Dass der Berliner Autor, Künstler und Grafiker Max Kersting ein ziemlich witziger Typ ist, wird sofort klar, wenn man auf die von ihm mit entworfene Seite www.punkname.de geht. Dort muss man seinen bürgerlichen Namen eintippen, das Geschlecht angeben (männlich, weiblich, egal) und schon generiert die Seite einen wunderbaren Punknamen wie Dose, Atze, Krümel oder Backe. Eine einfache, schnell verstandene Pointe – die aber knallt.

So könnte man generell Kerstings Arbeit beschreiben. Deutlich wird das etwa an seinem Fotoprojekt »Drei unbeschwerte Tage«. Kersting widmet sich hier der Faszination, die von alten, vergilbten Privatfotos ausgeht, wie man sie auf jedem Flohmarkt kaufen kann. Unmöglich, Näheres über die abgelichteten Personen herauszufinden – und auch die Situation, in der das Foto aufgenommen wurde, oder die Intention des Autors sind verschwunden im Abgrund des vordigitalen Alltags.

Kersting arbeitet genau mit diesem Moment des absoluten Unwissens – indem er die Bilder neu betextet. Eine gesellige Herrenrunde aus den 50er Jahren wird so zum »Int. Club der Interessierten«. Die Szene, in der zwei gelangweilte Musiker ihre Instrumente abbauen, wird betitelt mit »Es hätte legendär werden können«, und ein Mann, der etwas unmotiviert nach oben zeigt, brüllt bei Kersting: »Tatsache, da pisst jemand aus dem Fenster!«

Das ist in erster Linie einfach witzig. Ein Humor, der nicht verstanden werden will und nicht erklärt werden kann, sondern der einfach ist. Eine in sich ruhende Pointe. Interessant ist aber, was durch diese Dekontextualisierung im Kopf des Betrachters entsteht: nämlich nicht weniger als ein kurzer, absurder Film. Ein verwischtes Auto in voller Fahrt, im Hintergrund eine hässliche Landschaft: »Schwimmzeug vergessen«. Sofort wird die Assoziationsmaschine in Gang gesetzt: verpatzter Urlaub, scheußliches Essen, heulende Kinder, streitende Eltern…

Was aber die Bilder grundiert, ist die offensichtliche Vergänglichkeit, die aus ihnen spricht, die Uneinholbarkeit des Vergangenen. Insofern mischt sich auch ein Tropfen Melancholie in diese heitere Kombinatorik.