“Ich habe zwei relativ anstrengende Schichten vor mir. Sonntagabend von zwanzig Uhr bis um vier Uhr montagmorgens, und dann gleich noch mal Montag von sechs Uhr bis Dienstag um zwei Uhr morgens. Aber danach bin ich frei.
 Um mich zu verabschieden, abzuschießen, mir das Gehirn wegzuballern. Um mich aufzulösen.”

“Schweiß fließt. Körper winden sich zwischen Körpern. Wahlweise reiben sie sich auch. Reibung erzeugt Energie. 
Alle Sinne werden berührt: hören, sehen, riechen, tasten. Ein dichter Moment. Gefühle überlappen sich. Es hat alles was von Gleichzeitigkeit. Zwar sind wir schlussendlich alle Fremde, der Moment ist aber unglaublich verbindend. Wie Klebstoff.”

“All die Leute, die hier tanzen, als ob es kein Morgen gibt. Bunt, laut, intensiv. Jeder redet mit jedem.
 Alles ein Fluss, eine Bewegung. Ein Strom, der dich mitreißt, weil alles so leicht erscheint.
 Bilder, die durch meinen Kopf blitzen.”

“Wo hört Freundschaft auf, wann wird ein Hippiegedanke Kommerz?
 Wann wird Geld wichtiger als das große Ganze?
Ich weiß es nicht. Ganz anders als eben hinter der Bar fühle ich nun auch das Zerbröckeln der Umgebung. 
Und es umfasst mein Herz. Es umschließt es, drückt es zusammen und lässt mich zweifeln an der großen Flucht, wenn man nicht nine to five sein will…”

Die Autorin Ju Innerhofer kennt das Berliner Nachtleben (welch antiquierter Ausdruck, angesichts der Party-Peaktime müsste es eher »Morgenleben« heißen). Vom Ausgehen – und weil sie in einigen der wichtigsten Clubs der Stadt gearbeitet hat. Sie weiß um die Freiheiten der Nacht, den Exzess, die Gemeinschaft. Der Club als Heterotopie – als Ort, an dem die draußen geltenden Gesetze suspendiert sind. Innerhofer weiß auch, wie man sich nach zwei Tagen Selbstauflösung fühlt und wie ein Club riecht, wenn alle Gäste gegangen sind. Nun hat sie einen Roman geschrieben, der all dieses Wissen verdichtet: »Die Bar«. In 30 Jahren wird er dieselbe kopfschüttelnde Ehrfurcht auslösen, mit der wir heute auf den Wahnsinn von Woodstock zurückblicken.