Heavy Metal gilt vielen, gerade den vermeintlichen Pop-Kennern, als nicht satisfaktionsfähig. Zu brachial der Sound, zu simpel die Texte, zu albern die Inszenierung der meist langhaarigen Musiker – so lautet oft das Urteil. Wie ignorant dieser Langweiler-Konsens ist, zeigt das Buch »Metal Störies – Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte« von Frank Schäfer. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festival-Erfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht – und wieso »pure fucking Armageddon« manchmal einfach tausendmal interessanter ist als die nächste Hype-Sau, die durchs Pop-Dorf gejagt wird. Um den Einstieg ins Hochgebirge des harten Rocks zu erleichtern, gibt es hier eine Übersicht, die alle wichtigen Fakten zu den relevanten Spielarten zusammenträgt.

New Wave of British Heavy

Beispiele:
Saxon, Judas Priest, Iron Maiden

Hochphase:
Späte 1970er, frühe 1980er Jahre.

Geschwindigkeit:
Uptempo, schnell, aber kontrolliert.

Stimmlage:
Falsett, die allseits beliebte Eierfeile. »Screaming for Vengeance«!

Sound:
Mehr Distortion, komprimierter, Gitarren wie Elektrorasierer.

Texte:
Fantasy, Gosse, oft selbstreferenziell: »Metal on Metal / It’s the only way / To hell with tomorrow / Let’s live for today«.

Cover:
oft dilettantisch, billig, gemalt, moderat geschmacklos, aber noch nicht wirklich jugendgefährdend, noch keine Blutorgien. Monster!

Aussehen:
Hautenge Spandex-Hosen, Nieten, gepflegtes, schwarzes Leder.

Form der Gitarre:
Flying V, Explorer.

Sex:
Warum nicht? Aber anschließend ziehe ich noch 
mit den anderen um die Häuser.

Typischer Satz:
Where were you in 79, when the dam began to burst?

Speed Metal

Beispiele:
Slayer, Metallica, Exodus

Hochphase:
1980er.

Geschwindigkeit:
Schnell, furios, und doch exakt, 1/16 gehen immer, 1/32 immerhin im Studio.

Stimmlage:
Tief, böse, aber noch halbwegs artikuliert, natürlich und unverzerrt.

Sound:
Brachial, brutal, sehr hohe Anschlagszahl.

Texte:
Jeff Hanneman von Slayer:
»Don’t write about love, don’t write about happiness, don’t write about partying. Just write about bad stuff; it’s more interesting.«

Cover:
Monstren, Mumien, Mutationen, viel Blut, fiese Visagen. Gemalt.

Aussehen:
Abgerissen. Löchrige Jeans, nix gegen lange Haare, aber ungepflegt müssen sie sein.

Form der Gitarre:
Flying V, Explorer, 
BC Rich, spitz, zackig, schwarz.

Sex:
Irrelevant.

Typischer Satz:
Bang that head that doesn’t Bang!

Black Metal

Beispiele:
Venom, Mayhem, Burzum

Hochphase:
Frühe 1990er.

Geschwindigkeit:
Schnell.

Stimmlage:
Hoch, gekreischt, tierartig.

Sound:
Düster, unproduziert, fast punkig, Demosound.

Texte:
Satan, nordische Mythen, Pantheismus, reaktionär, gelegentlich rechts.

Cover:
Künstlerisch bemüht, die wilde, undomestizierte Natur. Düster. Bandlogos unlesbar.

Aussehen:
Corpsepaint. Schlecht gelaunte Pandabären.

Form der Gitarre: Ecken und Kanten.

Sex:
Unwichtig, außer mit Satan und seinen Jungfrauen.

Typische Satz:
Satan, Father / Help me from this grave / Demons, Warriors / Ever be my slaves.

Death Metal

Beispiele:
Napalm Death, Morbid Angel, Cannibal Corpse

Hochphase: 1990er Jahre.

Geschwindigkeit:
Schnell, schneller, Blast Speed. Für den Novizen das Chaos.

Stimmlage:
Unartikuliertes Grunzen. Growls, auch von Frauen.

Sound:
Extrem verzerrte Gitarren, brutal. Irrwitzige Soli, komplexe Songstrukturen, hochtechnisch.

Texte:
Slasher-Topoi, alle Arten von Horror. Apokalypse. Defätismus.

Cover:
Blut, Gedärm, Gehirn. Die Indizierung droht. Bandlogos kaum lesbar.

Form der Gitarre:
Klassische Metal-Modelle, aber auch funktionale Modelle, es geht ums Spielen!

Aussehen:
Relativ normal, manchmal abgerissen. Gern auch Florida-Look resp. »Rentnerkleidung«.

Sex:
Unwichtig. Allerhöchstens Nekrophilie.

Typischer Satz:
Death metal / Ruling your cities, controlling your towns / Entrapped in your worst nightmare.

Hair Metal

Beispiele:
Mötley Crüe, Ratt, Twisted Sister

Hochphase:
Mittlere 1980er.

Geschwindigkeit:
Midtempo.

Stimmlage:
Hoch, exaltiert, effeminiert.

Sound:
Melodiös, hochglanzpoliert. Gitarrenheldensoli. Power-Ballade.

Texte:
SEX, in allen Lebenslagen und Stellungen, Party und Kohle machen, möglichst in L.A.

Cover:
Haare, Hardbodies, Spitzenunterwäsche, die aufgebrezelte Band.

Form der Gitarre:
Klassiker von Gibson und Fender, aber pastellfarben, mit aufwändigen Grafiken, mit Tüchern geschmückt.

Aussehen:
Glam, Kajal, Lippenstift, Rouge. Allesamt Drag Queens, ein Fest für Gender-Studierende.

Sex:
Das A und O. Allzeit ready to rock, ein Karnickelleben.

Typischer Satz:
My heart belongs to you, but My cock is community property!

Gothic Metal

Beispiele:
Paradise Lost, Lacuna Coil, Type O Negative

Hochphase:
1990er bis heute.

Geschwindigkeit:
Langsam, getragen.

Stimme:
Tief, pathetisch, klagend. Gern auch blasse Sängerinnen mit schwarzen Haaren.

Sound:
Tief, melancholisch, keyboard-verhangen, sehr produziert, melodiös.

Texte:
Immer mit Trauerrand. Themen: Einsamkeit, Melancholie, schlechte Laune. Misanthropie.
Wo soll das noch alles hinführen?

Cover:
Irgendwas mit Kerzen, Rosen, arabesken Schmiedearbeiten, Menschen mit ungesundem Teint.

Form der Gitarre:
Egal.

Aussehen:
Blass, Rüschenblüschen, Spitze, schwarzes glänzendes Leder.

Sex:
Wird zelebriert, mit großem zeremoniellem Bohei. Es ist nicht schlimm, wenn es nicht passiert. Beide können auf den richtigen Zeitpunkt warten.

Typische Satz:
Everyone I love is dead.

Prog Metal

Beispiele:
Queensrÿche, Dream Theater, Opeth

Hochphase:
Späte 80er Jahre, jetzt.

Geschwindigkeit:
Jede. In jedem Song. Extrem Krummtaktiges immer eingeschlossen.

Stimmlage:
Ausgebildete Stimme. Sänger kann beides: hart und herzlich. Wenn es der Song so will, muss auch mal geshoutet oder gegrowlt werden.

Sound:
Nicht zu hart. Transparent, differenziert. Jedes Instrument, jeder Ton hörbar, denn alles ist wichtig. Bisweilen experimentell.

Texte:
Sowohl als auch. Konzeptalben. Symbolistischer Tiefsinn.

Cover:
Mit künstlerischem Anspruch. Gemalt. Fantasy. Dalí. Gerne mit aufwendigem Booklet bzw.
Doppel-CD.

Aussehen:
Sehr unterschiedlich: von späthippiesk bis Glam alles dabei.

Form der Gitarre:
Nicht so wichtig, aber das Effektboard des Gitarristen ist das Größte im Metal.

Sex:
Da sage ich nicht nein und dank auch recht schön.

Typischer Satz:
Perhaps you need another shot!

Metalcore

Beispiele:
Killswitch Engage
Heaven Shall Burn
As I Lay Dying

Hochphase:
Jetzt.

Geschwindigkeit:
Husch, husch, husch ins Körbchen, aber viele Tempowechsel, Breakdowns.

Stimmlage:
Meistens geschrien oder auch gegrowlt, gelegentlich alternierend mit eher cleanen Zwischenteilen.

Sound:
tiefer gestimmte Gitarren, ruppiger Hardcore-Sound, schnelle Double-Bass, keine Soli.

Texte:
Juveniles Protestgebaren. Boy meets girl. Straight-Edge-Ideologie, christliche Werte.

Cover:
Lange Bandnamen, als Hybridgattung entsprechend hybride Motive, mal Metal, mal eher Punk/Hardcore.

Aussehen:
Punk- und Metal-Outfit, aber auch urban-stylish. Kurze Haare, Seitenscheitel.

Form der Gitarre:
Eher unmetallische Formen.

Sex:
Wenn er der Wahrheitsfindung dient.

Typischer Satz:
Stay brutal!