Die Stimmung war schlecht in der DDR des Jahres 1953. Lebensmittelrationen wurden gekürzt und die Zielvorgaben für die Arbeiter hochgeschraubt. Es braute sich etwas zusammen. Mitte Juni kam es zu den ersten spontanen Streiks (die laut DDR-Verfassung erlaubt waren, von der Obrigkeit aber als aufwieglerische »Arbeitsverweigerung« interpretiert wurden.) Mittendrin: das Stahlwerk in Hennigsdorf, 30 Kilometer von Berlin entfernt. Angespornt von der aufgeheizten Stimmung und erzürnt über die ungerechten Vorgaben von oben, legen hier die Stahlkocher am 17. Juni die Arbeit nieder, laufen nach Berlin, fordern freie Wahlen und ein Ende der Willkürherrschaft.

Sowjetische Panzer machen den Freiheitsträumen ein jähes Ende. Wenige Tage später werden die Anführer der Streikenden verhaftet, vor Militärgerichte gestellt, verurteilt, erschossen – oder zu langjähriger Lagerhaft in der Sowjetunion verurteilt. Dass es am 17. Juni 1953 in der DDR einen gescheiterten Umsturzversuch gab, ist hinlänglich bekannt (allein schon, weil es sich Westberlin nicht nehmen ließ, eine der wichtigsten Straßen nach dem Volksaufstand zu benennen). Die Ursachen, die Vorgeschichte und die Auswirkung dieses Ereignisses, von dem Bertolt Brecht sagte, es habe die »gesamte Existenz verfremdet«, sind heute, 60 Jahre später, so gut wie vergessen.

Genau hier setzt die Graphic Novel »17. Juni – Die Geschichte von Armin und Eva« an. Der Historiker Alexander Lahl sowie seine Kollegen Max Mönch und Tim Köhler recherchierten die wahren Hintergründe und fiktionalisierten sie anhand der Figur Armin Mahlkes. Mit seinen Stahlkocher- Kollegen aus Hennigsdorf zieht dieser am 17. Juni nach Berlin – um friedlich gegen die Missstände zu protestieren. Das System rächt sich grausam, Mahlke stirbt wenige Jahre später in Lagerhaft. Zusammen mit der Grafikerin Kitty Kahane erzählt Lahl die Geschichte dieses tragischen Scheiterns – und lässt Mahlke auf diese Weise Gerechtigkeit wiederfahren.